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Einzelne Lettern aus Metall liegen durcheinandergewürfelt in einem Holzkasten.

Drucktechnik

Dauerausstellung

Drucktechnik

Darum geht's

Die Dauerausstellung widmet sich auf 200 Quadratmetern fünf großen Themen: Schrift, Schriftsatz, Drucken sowie dem Bilder- und Notendruck. Sie verfügt über Tastexponate und taktile Grafiken mit Braille-Beschriftungen in deutscher Sprache. Zu den Hauptthemen sind etwa drei Minuten lange Texte hörbar über Ohrhörer vor Ort oder auch auf dem eigenen Smartphone via QR-Code.

Die Welt des Druckens

Bei den Drucktechniken ist das von Johannes Gutenberg um 1454 entwickelte Hochdruckverfahren, oft auch Buchdruck genannt, am bekanntesten. Zusammen mit dem Tief-, Flach-, Durchdruck und anderen Verfahren gehört er seit 2018 zum immateriellen Kulturerbe. Aber auch der Schriftguss ist ein wichtiger Bestandteil der Druckgeschichte.

Berlin wurde mit der Industrialisierung und der Gründung des Deutschen Reichs (1871) zu einer wichtigen Druckstadt. Um 1910 gab es bis zu 150 Tageszeitungen. Im sogenannten Zeitungsviertel, der südlichen Friedrichsstadt, heute Kreuzberg, befanden sich über 500 Verlage, Betriebe und Druckereien aus dem grafischen Gewerbe. In diesem gab es im 20 Jahrhundert über 40 spezialisierte Berufe.

Blick in den Ausstellungsraum mit verschiedenen Druckpressen.
Verschiedene Druckpressen aus mehreren Epochen sind in der Ausstellung zu sehen. SDTB/ Foto: C. Kirchner 1/1

Patrize, Matrize, Druckletter

Vor der Einführung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern wurden Bücher von Hand abgeschrieben. Entsprechend rar und wertvoll waren sie. Für das Buchdruckverfahren, das Drucken, bei denen sich Schriften und Zeichen immer wieder neu anordnen lassen, wurden große Mengen an Schriftmaterial, sogenannte Lettern, benötigt. Durch den Schriftguss konnten Einzeltypen aus Metall sowohl schnell als auch in großer Anzahl hergestellt werden.

Der Herstellungsprozess einer einzelnen Letter bestand aus drei Schritten, die in der Ausstellung zu sehen sind:

1. Der Schriftentwurf in Form der von Hand geschnittenen oder gravierten Patrize, eines Stempels, jedes Buchstabens oder Zeichens.

2. Die Herstellung der Gegendruckform für jedes einzelne Zeichen, die Matrize.

3. Der Schriftguss mit Handgießinstrument oder später mit Schriftgießmaschinen.

Einige originale Exponate beispielsweise aus der umfangreichen Sammlungen der H. Berthold AG sind in diesem Bereich zu sehen. 

In einem Holzkasten mit einzelnen waagrechten Zeilen sind Metallettern zu Sätzen angeordnet. Daneben ein Kasten mit losen Lettern.
Früher mussten einzelne Lettern zu einem Druckbild zusammengefügt werden. Das kann man in der Ausstellung sehen. SDTB/ Foto: Ériver Hijano 1/1

Vom Winkelhaken zur Linotype

Im Handsatz werden Lettern aus Metall, die nach ihrer Häufigkeit in Setzkästen angeordnet sind, mit Hilfe eines Winkelhakens zu einzelnen Worten zusammengefügt. Nach und nach entsteht daraus die spätere Druckform in einem Satzschiff, montiert zu einem zusammenhängenden Text oder einer Kolumne. 

Vor allem im Zeitungsdruck wurden Ende des 19. Jahrhunderts schnellere Verfahren benötigt. Setzmaschinen und Zeilen-Gieß- und Setzmaschinen, die nun mit einer Tastatur zu bedienen waren, lösten in diesen Bereichen den Handsatz ab. Eine funktionsfähige Linotype-Setzmaschine  - „a line of type“ also „eine Reihe von Buchstaben“ -  aus dem Jahr 1972 aus der Bundesdruckerei macht diese eindrucksvolle Technik anschaulich. 

Ein kleiner Junge betätigt eine Druckpresse, neben ihm steht ein Mann mit Bart und unterstützt ihn dabei.
Unter Anleitung kann man in Workshops in der Ausstellung auch selbst drucken. SDTB/ Foto: H. Hattendorf 1/1

Arts and Crafts: vom Druckereihandwerk zur Druckindustrie

Das Jahrhunderte alte handwerklich geprägte Druckereigewerbe entwickelte sich im 19. Jahrhundert zur Druckindustrie. Großformatige Druckpressen und -maschinen des Offset- und Rotationsdrucks können in der Ausstellung nicht mehr gezeigt werden obschon in der Sammlung vorhanden.

In der Ausstellung kann die technische Entwicklung von einer hölzernen Handdruckpresse des 17. Jahrhunderts im Nachbau bis hin zu einer dampfbetriebenen Schnellpresse nachvollzogen werden. Zu sehen ist unter anderem eine eiserne Standhope-Presse aus der Decker’schen Königlich-preußischen Oberhofbuchdruckerei in Berlin (1835), eine Schnellpresse der Maschinenanstalt Hamm (1895) und ein Heidelberger Tiegel (1963) mit einem pneumatischen Bogenführungssystem aus dem Jahr 1913. 

Bilder vor der Fotografie

Im Gegensatz zu heute war das Drucken von Bildern bis in das 19. Jahrhundert sehr aufwändig. In vier Vitrinen sind Druckformen, Drucke und Werkzeuge verschiedener Bilddruckverfahren ausgestellt. Dazu gehören die am Ende des 18. Jahrhundert entstandene Flachdrucktechnik des Steindrucks, auch Lithografie genannt. Der Steindruck ermöglichte erstmals eine auflagenstarke Produktion von Bildern, auch in größeren Formaten. 

Berlin war zwischen 1804 und 1930 ein bedeutender Ort der Lithografie. Die 2017 übernommene Steindruck-Werkstatt des Berliner Stein- und Offsetdruckmeisters Dietmar Liebsch macht diese Technik anschaulich. In dessen Werkstatt entstanden unter anderem Drucke mit den Originalplatten des preußischen Malers, Zeichners und Lithografen Adolph von Menzel. 

Blick auf eine Ausstellungswand mit Drucksteinen und Geräten für den Steindruck.
Ein Bereich der Ausstellung widmet sich der Technik des Steindrucks. Dazu gibt es auch Vorführungen. SDTB/ Foto: F. Reimann 1/1

Schreibmaschinen: Type on

Die Entwicklungsstufen und verschiedene Designs der Schreibmaschine sind anhand von 30 Exemplaren seit 1872 zu sehen. Auch wenn die Schreibmaschine nahezu vollständig durch Computer ersetzt wurde, haben sich auf dessen Tastaturen bis heute viele Funktionen, Begriffe und Symbole erhalten. 

Eine junge Frau steht vor einer schwarzen Schreibmaschine, mit eigelegtem weißen Papier. Ihre Finger tippen auf der Tastatur.
Wie schreibt es sich auf einer Schreibmaschine? Ausprobieren erwünscht! SDTB/ Foto: C. Kirchner 1/1

Gedruckte Musik

Schriftlich notierte Musik besteht aus einem System von Noten, Linien, Bögen, Zeichen, Spielanweisungen und Texten. Eine der ältesten Notenstechereien Berlin, als „Anastatische Druckerei“ gegründet von Conrad Paris, befand sich bis 1991 in Berlin-Prenzlauer Berg. In dem über vier Generationen geführten Betrieb arbeitete übrigens auch Berlins einzige Notenstecherin, nämlich Annelotte Paris. Anhand von einigen Beispielen der von dort übernommenen Werkstatt wird der Druck von Noten anschaulich gemacht.