Im Nationalsozialismus wurden die Verfolgten um ihr Eigentum gebracht: von Kunstwerken über Autos bis zu Schreibmaschinen. Dieses NS-Raubgut findet sich auch in der Sammlung des Deutschen Technikmuseums.
Unsere Zielsetzung
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Verfolgten entrechtet, beraubt, verfolgt und ermordet. Ihr Eigentum wurde eingezogen oder musste unter Zwang verkauft werden. Nach solchem NS-Raubgut, genauer NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut, zu suchen, ist die wichtigste Aufgabe der Provenienzforschung. Ziel ist es, Raubgut zu identifizieren, Erbinnen und Erben zu ermitteln und mit ihnen gemeinsam faire und gerechte Lösungen im Sinne der Washingtoner Prinzipien zu finden.
Die bei den Recherchen ermittelten Objekte mit Verdacht auf einen NS-Entzug sowie Objekte, bei denen die Provenienz zwischen 1933 und 1945 nicht lückenlos geklärt ist, werden in der Datenbank Lost Art veröffentlicht.
Drucksteine der Firma Paul Pittius
Bei sechs Drucksteinen bestand der Verdacht, dass es sich dabei um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut handelt, da die Inhaber der Firma, in der sie eingesetzt wurden, zu den als Juden verfolgten Personen gehörten. Nach langen Recherchen konnte das Deutsche Technikmuseum die Geschichte der Brüder Julius und Martin Gerson ermitteln. Sie waren die Eigentümer der „Steindruckerei und Luxuskartenfabrik Paul Pittius“ in Berlin. Da sie als Juden und politische Gegner von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, mussten sie ihre Firma unter Zwang verkaufen. Beide Brüder wurden verschleppt und ermordet.
Die Enkelin von Julius Gerson, die in den USA lebende Miki Marcu, konnte mit Hilfe von Familienangehörigen kontaktiert werden. Sie hat dem Museum die Drucksteine unter der Bedingung überlassen, dass im Museum zukünftig an ihren Großvater und dessen Bruder erinnert wird. Im August 2023 wurde in Anwesenheit von Familienangehörigen ein Gedenkstein für die Brüder Gerson eingeweiht. Besucherinnen und Besucher können sich nun in der Ausstellung zur Drucktechnik oder in der Online-Ausstellung „Drucksteine erzählen. Die Geschichte der Brüder Gerson und ihrer Steindruckerei Paul Pittius“ über die Brüder und ihre Firma informieren. Die von der Firma Paul Pittius genutzte Technik des Steindrucks wird im Museum regelmäßig vorgeführt.
SDTB/ Foto: C. Kirchner
Buch aus einer französischen Mädchenschule
Im Dezember 2021 hat das Deutsche Technikmuseum ein Buch zurückgegeben, das von deutschen Besatzungstruppen während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich geraubt wurde. Es war die erste Rückgabe des Museums. Zurückgegeben wurde das 1920 publizierte Buch „Le fond de la mer (Der Meeresgrund)“ des französischen Meereszoologen Louis Joubin, das die Meere und ihre Bewohner beschreibt.
Die Herkunft des Buches konnte durch einen Stempelabdruck auf dem Titelblatt ermittelt werden. Dieser führte ins französische Pontlevoy. In dem kleinen Ort in der Nähe von Tours befand sich früher eine Mädchenschule, aus der das Buch geraubt wurde. Heute befindet sich an gleicher Stelle das Lycée catholique de Pontlevoy, dessen Leiter das Buch im Beisein der Schülerinnen und Schüler entgegennahm.
SDTB/ Foto: C. Kirchner